Wie du ungesunden Perfektionismus ablegst

Nur einem Fehler ist es zu verdanken, dass wir heute ein wunderbares Mittel gegen Bakterien in der Hand halten: Penicillin. Denn im Jahr 1928 legte der Bakteriologe Alexander Fleming, der am Londoner St. Mary’s Hospital arbeitete, eine Nährbodenplatte an, auf die er Staphylokokken gab. Er vergaß die Platte und fuhr in den Urlaub. Nach seiner Rückkehr entdeckte er die Platte und sah, dass auf dem Nährboden ein Schimmelpilz gewachsen war, in dessen unmittelbarer Nähe sich die Staphylokokken nicht vermehrt hatten. Dieser neuartige Schimmel tötete also Bakterien ab. Der Bakteriologe nannte seine Entdeckung Penicillin. Wäre Fleming damals dem Perfektionismus verfallen und hätte sein Equipment brav weggeräumt, gäbe es heute kein Penicillin. 

Auch, wenn wir wissen, dass wir nur Menschen sind und Fehler machen, versuchen wir trotzdem immer alles perfekt zu erledigen. Spuken in deinem Kopf auch immer wieder Gedanken herum wie zum Beispiel:

“Egal, was ich anfasse, es wird einfach nicht gut genug.”

“Das kann ja wohl nicht sein, dass ich dafür so lange brauche! Das muss doch auch schneller und besser gehen!”

“Ich kann jetzt nicht Feierabend machen, erst muss diese Aufgabe erledigt sein!”

Dann solltest du etwas verändern. Du setzt dich nur selbst unter Druck und vergisst das wichtigste am Leben: den Spaß.

Eins vorneweg: es ist nichts Negatives motiviert und voller Elan an seine Aufgaben heranzugehen. Doch wenn uns unsere Leistungen nicht mehr zufriedenstellen, wir nach immer besseren Ergebnissen streben und keinen mehr Spaß empfinden, sollten wir die Notbremse ziehen. Es ist einfach nicht möglich PERFEKT zu sein, also versuche es nicht. Das unerfüllte Streben nach Perfektionimus macht dich nur unglücklich.

 

 

Perfektionismus = Abhängigkeit von anderen

Brené Brown schreibt in ihrem Buch „Die Gaben der Unvollkommenheit“:

 

Gesundes Streben ist selbst-fokussiert: „Wie kann ich wachsen?“ Perfektionismus ist auf andere fokussiert: „Was werden sie denken?

Perfektionismus ist ein selbstzerstörerisches und süchtig machendes Glaubenssystem, angetrieben von einem einzigen Gedanken: „Wenn ich perfekt aussehe und alles perfekt mache, dann kann ich die schmerzhaften Gefühle von Scham, Verurteilung und Tadel vermeiden.“

 

Sie bringt es auf den Punkt. Solange wir bei uns bleiben und uns fragen, wie wir uns verbessern können, kann man noch von einem gesunden Streben sprechen. Sobald wir uns allerdings auf andere konzentrieren, uns fragen, was sie wohl von uns denken, kann man von dem ungesunden Perfektionismus reden. Es ist die Sucht nach Anerkennung und die Angst nicht angenommen zu werden. Und dies kann uns krank machen.

 

„Ich erwarte nichts von niemandem. Erwartungen tun immer weh.“

William Shakespeare

 

Gefahren des Perfektionismus

Auf Dauer macht uns die Gier nach Perfektion krank. Sich selbst ständig unter Druck zu setzen, birgt Gefahren für Körper und Geist:

  • Stress – Je mehr Druck sich aufbaut, desto unruhiger werden wir. Je höher der Stresspegel ist, desto schlimmer werden auch die Probleme, z.B.: Schlaflosigkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen…
  • Prokrastination/ Aufschieberitis – Wir bekommen Angst, nichts mehr genügend erfüllen zu können und schieben deswegen Dinge auf.
  • Stehen unseren Zielen selbst im Weg – Weil wir nicht locker lassen, bis etwas perfekt erledigt ist, halten wir uns zu lange an einer Aufgabe auf und haben so keine Zeit mehr für andere Dinge. So gelangt man deutlich langsamer an sein Ziel.
  • Werden starr und unflexibel – Alles muss immer perfekt durchgeplant sein. Wir lassen keine spontanen Treffen und Ideen mehr zu.
  • Chance für physische und auch psychische Erkrankungen steigt – z.B. Burn-Out, Schlafstörungen, Essstörungen, Angststörungen, Kopfschmerzen, Zwänge, Depressionen
  • Sinkendes Selbstwertgefühl – Immer, wenn etwas schief geht, machen wir uns Vorwürfe. Wir sagen uns selbst, weniger wert zu sein. So signalisieren wir uns selbst: Versagen ist furchtbar.
  • Setzen andere mehr unter Druck – Perfektionisten legen ihre Maßstäbe auch an die Arbeit anderer an. Wir sind strenger mit anderen und machen so auch ihr Leben schwer.
  • Neigen dazu Kritik zu persönlich zu nehmen – Wir nehmen uns jede noch so kleine Kritik zu herzen, weil alles perfekt laufen muss und Fehler nicht geduldet werden.
  • Sehen nur noch schwarz und weiß – Es gibt nur Gewinner oder Verlierer. Wir vergessen, dass es noch Vieles dazwischen gibt und jede Aufgabe auf unterschiedlichste Weise gelöst werden kann.
  • Greifen eher zu Suchtmitteln – Perfektionisten neigen eher dazu, zu Suchtmitteln zu greifen, um den ständigen Druck loszuwerden oder zu betäuben.

Generell bringt uns zu viel Perfektionismus also nicht weiter. Er blockiert uns und lässt uns unglücklich zurück.

 

 

So legst du den Perfektionismus ab

Leider gibt es keine Patentlösung, die uns für immer daran hindert ständig nach Perfektion zu streben. Wichtig ist es, dass du jedes Mal, wenn du merkst, dass du schon wieder zu pingelig wirst, daran arbeitest. Nur so legst du deinen Perfektionismus Stück für Stück ab.

Weniger Perfektionismus bedeutet übrigens nicht seine Aufgabe schluderig oder gar nicht zu erledigen. Nein. Sinn der folgenden Tipps ist es, dass wir mit dem Ergebnis, das wir abliefern, zufrieden sind. Probiere es aus!

 

1. Überlege dir: Bei welchen Aufgaben bin ich zu perfektionistisch?

Schreibe sie auf und lass darunter ein paar Zeilen Platz. (Diese Übung macht sich in Word (o.ä.) sehr gut, da du so immer wieder ein wenig Platz hinzufügen kannst.) Du kannst natürlich auch alles in eine Tabelle einordnen, wenn du es übersichtlich magst. (Nicht zu perfektionistisch werden. :P)

Schreibe nun darunter:

-> Bringt es mich weiter?

-> Warum möchte ich gerade diese Aufgabe perfekt erledigen?

-> Wovor habe ich Angst?

-> Was habe ich zu verlieren, wenn ich sie nicht perfekt erledige?

Du wirst schnell merken, dass die meisten deiner Gedanken-Gespenster nichts als heiße Luft sind. Meist machen wir uns ohne Grund viel zu viel Druck.

 

2.  Denkweise ändern

Wenn nicht gerade Leben davon abhängen, ist es auch sehr hilfreich einfach seine Denkweise zu ändern. Leg dir ein paar entspannende Sätze zu, die du dir selbst sagen kannst, wenn du mal wieder zu viel willst:

  • “Ich bemühe mich so gut ich kann, mehr als arbeiten kann ich nicht, denn ich bin schließlich auch nur ein Mensch.”
  • “Aus Fehlern lernt man.”
  • “Die Welt wird durch einen Fehler nicht untergehen.”
  • “Um erfolgreich zu sein, muss ich nicht perfekt sein.”
  • “Sympathisch ist, wer ab und zu einen Fehler macht.”

Mir hilft vor allem der erste Satz, wenn es auf Arbeit mal stressig wird und ich wieder dabei bin, alles sofort und perfekt erledigen zu wollen. Versuche herauszufinden, was für dich funktioniert.

 

3. Selbstvertrauen stärken 

Wer sich selbst und seinen Fähigkeiten vertraut, hat es nicht nötig sich ständig unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen. Glaube an dich!

 

4. Fehler zulassen

Wir sind alle nur Menschen, die auch mal Fehler machen. Lasse diese Fehler zu. Je mehr du versuchst perfekt zu sein, desto mehr bekommst du Angst davor Fehler zu machen.

Hier ist eine kleine Challenge für dich: Versuche jede Woche bewusst einen Fehler zu machen. Lass die Socken vom Vortag noch zwei-drei Tage liegen, schubse alle Bilder bis sie schief hängen (und lass sie eine Weile so, bis es dir eigentlich egal ist) oder ignoriere eine komplette Woche lang das ungemachte Bett. Für echte Perfektionisten kann das echt hart werden. Aber versuche daran zu arbeiten. Du wirst sehen, es passiert absolut gar nichts Schlimmes! So lernst du dir Fehler einzugestehen und nicht wegen jeder Sache auszuflippen. Lerne dich selbst mit deinen Fehlern zu lieben und du wirst glücklicher leben.

 

5. Feiere deine Erfolge

Wenn du etwas erreicht hast, feiere dich dafür! Sei stolz, dass du es geschafft hast. So lernst du mit Aufgaben abzuschließen und stärkst gleichzeitig dein Selbstvertrauen.

 

 

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2 Replies to “Wie du ungesunden Perfektionismus ablegst

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