Vorgestellt: “Miss Gladys und ihr Astronaut” von David M. Barnett

Ein griesgrämiger Astronaut, eine Großmutter, die an Demenz leidet, und ihre zwei eigenwilligen Enkel, deren Vater aufgrund einer Dummheit im Gefängnis sitzt. Alles zusammen ergibt ein buntes Potpourri mit dem Titel “Miss Gladys und ihr Astronaut” von David M. Barnett.

 

“Miss Gladys und ihr Astronaut” – Der Erde näher als gedacht

Ein One-Way-Ticket zum Mars. Für die meisten von uns wäre das der Albtraum schlechthin. Aber nicht für den lebensmüden, griesgrämigen Thomas Major, der sich über die Chance freut, der Menschheit endlich Lebewohl zu sagen. Ganz verschont von den Menschen bleibt er auf der Ares-1, die er äußerst liebevoll Schrottnik-1 nennt, nicht. Selbst tausende Kilometer von der Erde entfernt wird er mit Fragen von der PR-Abteilung und von kleinen Kindern genervt. Auf die notwendigen Reparaturarbeiten außerhalb des Raumschiffes hat er keine Lust. Dabei steht seine Kommunikation zur Erde auf dem Spiel. Aber Thomas Major ist ein ziemlich egoistisches Arschloch. Für ihn dient die Reise nur einem Zweck. Seinem eigenen. Zumindest zu Beginn der Geschichte…

Als er eines Tages die 71-jährige Miss Gladys Ormerod an seinem Iridium-Telefon hat, wird seine schöne Melancholie von einer außergewöhnlichen Familie gestört. Plötzlich findet er sich in den Familienproblemen von Miss Gladys und ihren Enkeln Ellie und James wieder und gemeinsam überlegen sie, wie sie den Kontostand der Ormerods aufbessern können. Denn sollte ihnen das nicht gelingen, verlieren sie ihr Haus. Und weil ihr Vater wegen eines dummen Fehlers im Gefängnis sitzt, haben sie auch niemanden, der sich um sie kümmern könnte. Der sonst so griesgrämige Thomas beginnt sich endlich wieder für etwas einzusetzen, um der Familie zu helfen. Er verrät einer nervigen Pressefrau sogar seine dunkelsten Geheimnisse. Werden sie es schaffen, das Zuhause der Ormerods zu retten oder droht Ellie und James ein Leben im Kinderheim?

 

Im ersten Moment sieht es aus wie ein Stück schwarzer Samt, perfekt und makellos und allumfassend. Dann erscheinen die Sterne, zarte stecknadelkopfgroße Punkte aus Licht, das sich vor seinen Augen intensiviert, lodernde Sonnen, die Milliarden von Lichtjahren entfernt sind, manche so weit, dass sie schon längst tot sind, und ihr Licht nur noch Gespenster ihres vergangenen Lebens.

S. 372, “Miss Gladys und ihr Astronaut” – David M. Barnett

 

Eine Geschichte – viele Helden

David M. Barnett hat eine warmherzige Geschichte mit wunderbar eigenwilligen Figuren geschaffen. Nicht nur Thomas Major ist in dieser Geschichte ein Held sondern auch Ellie, die mit allen Mitteln versucht, ihre kleine Familie zusammenzuhalten. Selbst James wächst, bei dem Versuch eine Lösung für ihr finanzielles Problem zu finden, über sich hinaus. Miss Gladys ist einem mit ihrer liebenswürdigen, verpeilten Art ebenfalls sofort sympathisch. Leider liegt ihre Verwirrtheit (vor allem am Schluss) oft an der Grenze ins Lächerliche abzurutschen.

Die Handlung ist stets spannend, es gibt keine größeren Ungereimtheiten. Immer wieder überrascht der Autor mit interessanten Wendungen. Zum Beispiel zum Ende hin, als jemand bei einer Veranstaltung auftaucht, mit dem niemand gerechnet hat. Einen Punkt Abzug gibt es für die Originalität. Das Klischee der bösen Jungs, die scheinbar grundlos alles zerstören, gab es leider schon zu oft. (Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, was ich damit meine. Wer an die Stelle kommt, wird es merken.)

Netter Zusatz: Wer dieses Buch liest, wird währenddessen garantiert einen Ohrwurm von David Bowies “Space Oddity” bekommen. Der Autor erwähnt Bowie und seine Lieder an mehreren Stellen. Schnell bekommt man Lust, seine Alben den ganzen Tag rauf und runter zu hören. 😉

 

Fazit zu “Miss Gladys und ihr Astronaut”

“Miss Gladys und ihr Astronaut” ist eine niedliche Geschichte für zwischendurch. Man kann nicht anders, als die Charaktere ins Herz zu schließen. Der Roman beinhaltet eine gute Mischung aus Humor und Drama. Trotz kleiner Kritikpunkte kann ich ihm jedem empfehlen, der auf locker-lustige und trotzdem herzergreifende Unterhaltung steht.

 

© Clarissa Braun

 

Du suchst nach weiterem Lesestoff? Schau mal hier, vielleicht ist etwas Passendes für Dich dabei:

-> “ÖDLAND – Der Keller” von Christoph Zachariae (Dystopie, Science Fiction)

-> “Der Report der Magd” von Margaret Atwood (Gegenwartsliteratur, Dystopie)

-> “Ich und die anderen” von Matt Ruff (Psychologie-Fiktion, Humor)

 

 

 

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