Job Crafting – Hast Du Deinen Traumjob vielleicht schon?

Du bist mit Deiner Arbeit nicht mehr wirklich zufrieden und überlegst seit längerem, ob Du vielleicht die Stelle wechseln sollst? Dir fehlt die Herausforderung, es regiert die Langeweile oder Du hast ständig mit Leuten zu tun, die Du nicht leiden kannst. Wenn Du aber darüber nachdenkst, fallen Dir auch Aspekte ein, die Dir an der Arbeit gefallen. Projekte, die etwas verändern, Ideenvorschläge, die von anderen Kollegen begeistert aufgenommen werden oder die eine nette Kollegin, mit der Du in der Mittagspause herumblödeln kannst. Also was tun? In diesem Artikel erfährst Du, wie Du aus Deinem jetzigen Beruf das Beste herauskitzeln kannst, sodass er Dich noch glücklicher macht. Also bevor Du eine vorschnelle Entscheidung triffst, probiere es mit Job Crafting.

 

Was bedeutet Job Crafting?

Der Begriff Job Crafting geht auf eine Studie aus dem Jahr 2001 von Jane Dutton, Dozentin für Wirtschaftswissenschaften und Psychologie an der Universität Michigan, und ihrer damaligen Studentin Amy Wrzesniewski zurück. Die beiden befragten 28 Mitarbeiter*innen des Reinungsteams eines Uni-Krankenhauses zu ihrer Zufriedenheit. Einige antworteten, wie man es wohl erwarten würde. Sie empfanden den Beruf nicht gerade als sonderlich erfüllend oder befriedigend. Sie putzten für das Geld, das sie bekamen und erledigten ihre Arbeit so, wie es von ihnen erwartet wurde. Aber andere Mitarbeiter gingen in ihrem Beruf regelrecht auf. Sie waren glücklicher und zufriedener als ihre Kollegen, lieferten auch bessere Leistungen ab. Aber warum?

Der Grund: Sie gestalteten ihren Job nach ihren Vorstellungen. Einige hielten zwischendurch einen Plausch mit Patienten, die jemanden zum Reden brauchten, andere begleiteten sie zu ihren Autos auf dem Parkplatz (obwohl das nicht erlaubt war). Ihre Arbeit gewann an Bedeutung und die Mitarbeiter fühlten sich mehr wertgeschätzt.

Angespornt von dieser ersten Befragung sahen Jane Dutton und Amy Wrzesniewski sich auch andere Berufsfelder an und versuchten herauszufinden, wie die Menschen ihre Arbeit verändern konnten, sodass sie auch auf lange Sicht spannend blieb.

 

Beispiele für Job Crafting

Die Reinigungskräfte übernahmen also freiwillig Aufgaben, die nicht von ihnen gefordert wurden, aber durch die sie mehr Spaß an der eigentlichen Arbeit gewannen. Damit Du eine Vorstellung hast, was für Aufgaben das sein können, habe ich hier ein paar Beispiele:

 

Krankenschwester in einem Pflegeheim

Die Krankenschwester liebt ihren Beruf, doch es gibt etwas, das sie so sehr stört, dass sie schon mit dem Gedanken spielt, zu kündigen: das Gejammer der älteren Patienten. Sie hat ein schlechtes Gewissen deswegen und überlegt, wie sie ihren Berufsalltag umgestalten kann. Sie beschließt eine Weile die Nachtschichten zu übernehmen. Zu dieser Zeit schlafen die meisten Patienten, sie kann sich um die (von allen anderen gehassten) Verwaltungsaufgaben kümmern und nimmt somit der hektischen Tagesschicht Arbeit ab. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Lehrer an einer Schule 

Der Lehrer hat den Spaß am Frontalunterricht verloren. Unmotivierte Schüler, die nicht aufpassen, zerren ebenfalls an seinen Nerven. Doch anstatt den Kopf hängen zu lassen, versucht er die Begeisterung für seinen Beruf neu zu entfachen. Er ruft verschiedene Kurse ins Leben (Theater, Kunst, Musik, IT, Sport o.ä.), an denen die Schüler freiwillig und aus Interesse an der Sache teilnehmen. Die Schulleitung findet die Idee sogar so gut, dass sie dem Lehrer ein paar Unterrichtsstunden in der Woche streicht, damit er mehr Zeit für die Kurse hat. Ebenfalls eine Win-Win-Situation für Lehrer, Schüler und Schule.

Angestellter in Firma XY 

Der Angestellte findet die ihm übertragenen Aufgaben langweilig, aber er kennt sich sehr gut mit dem Bau von Websiten, Marketing und dem Schreiben von Texten aus. Also schlägt er vor, eine firmeneigene Website zu erstellen, die regelmäßig seine Besucher über Neuerungen in dem Unternehmen informiert. So erhält die Firma endlich ihre seit längerem fällige Internetpräsens, der Angestellte hat etwas gefunden, für das er sich neben der normalen Arbeit begeistert und alle ziehen einen Gewinn aus der Veränderung.

 

Wie Du siehst, kann jeder aus seinem Beruf mit ein wenig Kreativität noch mehr herausholen. Also überlege, was Du heute noch ändern kannst, um wieder mehr Spaß an Deiner Arbeit zu haben. Gibt es Kollegen, die Du nicht leiden kannst? Vielleicht kannst Du Dich in eine andere Abteilung versetzen oder in andere Schichten einteilen lassen? Wenn nichts davon möglich ist: versucht einen Neustart, lernt euch besser kennen. Vielleicht klappt die Zusammenarbeit dann.

 

© Clarissa Braun

 

Job Crafting: So funktioniert es

Um herauszufinden, was Du ändern musst, ist es wichtig sich vor Augen zu führen, welche Aufgaben Du beibehalten möchtest (bzw. musst) und welche Du verändern kannst. Hier eine kleine Checkliste:

1. Aufgaben

  • Welche Aufgaben erledige ich gern, welche rauben mir nur Energie? (Kann ich Aufgaben an andere abgeben und vielleicht welche von ihnen übernehmen, die sie nicht gern erledigen?)
  • Wie kann ich komplexe Aufgaben vereinfachen? Lassen sie sich vielleicht gemeinsam schneller und effizienter erledigen?
  • Mit welchen zusätzlichen Aufgaben, die mir Spaß machen, kann ich meinen Betrieb unterstützen, also eine Win-Win-Situation schaffen?

2. Umfeld

  • Wer inspiriert mich, mit wem arbeite ich gern zusammen? Wie zeige ich ihm das?
  • Was kann ich tun, um das Verhältnis zu anderen Kollegen zu verbessern?
  • Was kann ich mir von anderen abschauen oder jemandem beibringen?

3. Innere Einstellung

  • Was würde meinem Job in meinen Augen mehr Sinn verleihen?
  • Wo liegen meine Stärken/ meine Schwächen und wie gestalte ich meine Aufgaben danach?
  • Was stört mich an meinem Job so richtig und wie lässt es sich am einfachsten verändern?

4. Ort und Zeit

  • Wie kann ich meinen Arbeitsplatz gestalten, damit ich dort gern den Großteil meines Tages verbringe?
  • Mit welchen einfachen Hilfsmitteln kann ich mir den Arbeitsalltag erleichtern?
  • Möchte ich gern zu anderen Zeiten arbeiten? Welche Schichten könnte ich tauschen?

 

Wie Du siehst kann man durch Job Crafting, also eine andere Herangehensweise, jede Menge ändern, bevor man sich eine komplett neue Arbeitsstelle sucht. Falls Du trotzdem das Gefühl hast, nicht im richtigen Job zu stecken, dann schau auch demnächst wieder bei Gedankenkost vorbei. Ich gehe der Frage auf den Grund, wie man seiner Berufung einen Schritt näher kommt.

 

© Clarissa Braun
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