Der Tod eines Tieres – Mit Abschied und Trauer umgehen lernen

Aus hauptberuflichen Gründen habe ich immer wieder mit dem Tod und der Abschiednahme von geliebten Tieren zu tun. Für viele Menschen gehört ihr Haustier, egal ob Hund, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster oder Wellensittich, selbstverständlich zur Familie. Wir gehen mit ihm durch dick und dünn, es ist für uns da, wenn wir eine Schulter zum Anlehnen brauchen. Umso trauriger ist es, wenn der treue Begleiter alt wird oder an einer Krankheit leidet und die Zeit kommt, in der wir uns verabschieden müssen. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen, wie die Abschiednahme verläuft und wie man mit dem Tod des Tieres umgehen kann, mit Dir teilen.

Ich hoffe, ich kann Dir mit diesen ehrlichen Zeilen einen Einblick geben und Dich ein bisschen in Deiner Trauer trösten.

 

Anmerkung: Allen Gender-Diskussionen zum Trotz schreibe ich, um den Lesefluss nicht zu stören, nachfolgend nur in einem Geschlecht. Natürlich gibt es auch Tierärztinnen und Besitzerinnen etc. 

 

Eine Entscheidung treffen

Wenn ein Tier alt ist oder an einer nicht heilbaren Krankheit leidet, dann steht man oft vor der Frage, ob das Tier nicht erlöst werden sollte. Sicherlich darf man diese Entscheidung nicht übereilen, schließlich kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sprich am besten mit Deinem behandelnden Tierarzt über das Thema. Er wird Dir erklären, dass eine Einschläferung gerechtfertigt ist, sobald die Lebensqualität des Tieres verloren geht. Zum Beispiel, wenn das Tier an Schmerzen oder Erkrankungen leidet, die nicht mehr behandelt werden können und es dadurch bedingt keine Lebensfreude mehr zeigt. Im schlimmsten Fall macht es unter sich, trinkt und frisst nichts mehr und ist für keine Aktivität mehr zu begeistern. Dein Tierarzt wird Dir helfen zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für eine Einschläferung gekommen ist.

 

Fühle Dich nicht schuldig – akzeptiere den Tod

Der Tod gehört zum Leben leider dazu. Wenn die Entscheidung getroffen wurde, sich von dem Tier zu verabschieden, dann versuche Dich nicht schuldig zu fühlen. In der Tiermedizin gibt es, so hart es klingen mag, zum Glück die Möglichkeit, einem Lebewesen weitere Leiden zu ersparen.

Sei einfach für Dein Tier da. Gib ihm in den Tagen und Stunden, die ihr zusammen verbringt, Liebe und Zuneigung. Mehr möchte Dein Liebling nicht.

 

 

Nimm Dir Zeit für den Abschied

Sollte der Moment für den Abschied gekommen sein, dann sprich mit Deinem Tierarzt über den Ablauf. Es hilft zu wissen, was mit dem eigenen Tier anschließend passiert. Als erstes bekommt Dein Tier eine Narkosespritze, damit es schläft und nichts mehr von der Behandlung mitbekommt. Erschreck Dich nicht, wenn es während der Einschlafphase zu ungewöhnlichen Reaktionen kommen sollte (Erbrechen, Krämpfe, Harnabsatz, Kotabsatz). Diese Abläufe finden keineswegs bewusst statt, Dein Liebling bekommt davon nichts mehr mit. Sie sind alle auf biochemische Prozesse zurückzuführen, die im Körper ablaufen, sobald das Narkosemittel wirkt. Je nach Schwere der Krankheit (und Art der Injektion des Narkosemittels) kann die Einschlafphase zwischen fünf und zwanzig Minuten andauern.

Nimm Dir nachfolgend so viel Zeit, wie Du benötigst, um Dich zu verabschieden. Bevor das letzte Mittel gespritzt wird, empfehle ich Dir den Raum zu verlassen. Behalte Deinen Liebling, wenn möglich, ruhig atmend im Gedächtnis.

 

Lerne mit dem Verlust umzugehen – lass Gefühle zu

Für jeden Menschen nimmt das Haustier eine andere Rolle im Leben ein. Für einige ist es ein treuer Begleiter, für andere beinahe wie ein Kind. Deswegen ist es nicht erstaunlich, dass jeder anders mit dem Verlust des Tieres umgeht.

Es ist umso wichtiger, dass jeder seine eigene Art der Trauerbewältigung findet. Es gibt die einen, die in Tränen ausbrechen und jemanden brauchen, der mit ihnen redet, um sich besser zu fühlen. Und dann gibt es noch ganz andere Menschen, die ihre Trauer gekonnt überspielen. Sie retten sich in Witzen und Anekdoten. Doch an dem leichten Zittern ihrer Hände oder an ihren glasigen Augen erkennt man, dass sie der Verlust des geliebten Tieres sehr berührt. Das Feld der Reaktionen ist sehr breit. Nimm Dir Zeit und verabschiede Dich so, wie Du es für richtig hältst. Rede oder bleib stumm, streichle Deinen Liebling oder verlass den Raum – niemand wird Dich für Deine Art mit dem Tod umzugehen an den Pranger stellen.

In jedem Fall: lass die Trauer zu. Und wenn Du das nicht vor anderen kannst, dann lass es Zuhause raus. Sprich mit jemandem, dem Du vertraust, über Deine Gefühle. Scheue Dich auch nicht davor, professionelle Hilfe anzunehmen.

 

 

Ändere die Routinen

Jedes Tier nimmt in unserem Leben einen bestimmten Platz ein. Ist das Tier nicht mehr da, fallen Rituale oder alte Gewohnheiten weg. Sei es die Begrüßung an der Haustür oder der Spaziergang im Wald: wichtig ist es, diese Leere mit neuen Gewohnheiten zu füllen. Statt einem gemütlichen Waldspaziergang könnte man zum Beispiel die Sporteinheit in die Natur verlegen. Überlege Dir, wie Du die entstandene Leere mit schönen Dingen füllen kannst.

Erst später, wenn man den Tod des Tieres verarbeitet hat, kann man in Erwägung ziehen, einem neuen Tier einen Platz in seinem Herzen zu schenken. Erst dann kannst Du ihm Deine volle Aufmerksamkeit widmen.

 

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